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Talaromyces islandicus
30.5.2023

Schimmelpilz des Monats Mai

Talaromyces islandicus (Sopp) Samson et al 2011

Schimmelpilze der Gattung Talaromyces wurden lange Zeit innerhalb der Gattung Penicillium geführt. Morphologische Merkmale wie beispielsweise das senfgelbe Myzel (häufig am Rand der Kolonien) sowie das Metulae / Phialiden Längenverhältnis, in Kombination mit molekularen Daten bilden allerdings eindeutige Differenzialmerkmale. Der hier betrachtete Talaromyces islandicus wurde lange Zeit unter dem Artnamen Penicillium islandicum (beschrieben 1912 durch Sepp) geführt. Die Einstufung innerhalb der Gattung Penicillium ist heute nicht mehr legitim.

Bild links: Talaromyces islandicus aus Reinkultur. Sieben Tage inkubiert bei 25 °C auf MEA-Agar. Die runden Kolonien weisen am Rand das für die Gattung Talaromyces typisch senfgelbe Myzel (gesäumt von einem weißen Rand) auf, welches sich mit zunehmendem Alter der Kolonie und der damit verbundenen Sporenproduktion kräftig blau einfärbt. Im Zentrum der Kolonie bildet sich orangenes Luftmyzel.

Bild rechts:
Talaromyces islandicus aus Reinkultur. Sieben Tage inkubiert bei 25 °C auf DG18-Agar. Die Kolonien ist gesäumt von einem dünnen Rand weißen Myzels auf das senfgelbes bis orangenes Myzel mit anfänglicher Sporenproduktion folgt. Das Zentrum der Kolonie wird auch hierdurch zunehmende Sporenproduktion blau gefärbt. Luftmyzel wird allenfalls spärlich ausgebildet.

Obwohl die Vertreter der Gattung Talaromyces regelmäßig in Innenräumen nachgewiesen werden, erfolgt in der Routine-Analytik von innenraumrelevanten Schimmelpilzen, dennoch häufig keine klare Abgrenzung zur Gattung Penicillium. Weswegen die Gattungen Penicillium und Talaromyces oft zusammen summiert werden. Mit 250 – 290 (je nach Zählung von Unterarten) bekannten Arten handelt es sich außerdem um keine kleine Gattung. Obwohl taxonomisch falsch, ist dies anhand der vorliegenden morphologischen Daten auf den üblicherweise verwendeten DG18 und MEA Platten gängige Praxis. Dies beruht darauf, dass für die Gattung Talaromyces wenige Daten zur Innenraumrelevanz und physiologischen Präferenzen vorliegen, weswegen eine nähere Differenzierung dieser Schimmelpilzgattung zwar die taxonomische Präzision erhöht aber nur selten eine bessere Einschätzung der Schimmelursache erlaubt.

Bei der Untersuchung von Partikelspuren (Gesamtsporen-Messungen) oder Klebefilmpräparaten werden die Sporen der Gattung Talaromyces dem Sporentyp Aspergillus / Penicillium zugeordnet. Eine zweifelsfreie Zuordnung ist ohne Sporenträger nicht möglich. Der Sporentyp subsumiert eine Reihe von Schimmelpilzgattungen, deren Sporen als klein und rund zu bezeichnen sind. Die Merkmale in den Direktmikroskopischen Verfahren sind häufig nicht ausreichend um die Gattung zweifelsfrei zu bestimmen.

Gemäß TRBA 460 ist die Schimmelpilzart Talaromyces islandicus in der biologischen Risikogruppe 1 eingestuft. Somit ist kein erhöhtes Infektionsrisiko für Menschen bekannt. Konform dazu sind im aktuellen Altas of clinical fungi keine Einträge für Talaromyces islandicus und somit keine bekannten Infektionen bei Menschen beschrieben. Konkrete Angaben zum aW-Wert und damit den voraussichtlichen Wasseranspruch, sind nicht bekannt.

Talaromyces islandicus auf selbst produzierten Kreatinin Saccharose Agar (CREA).

Talaromyces islandicus auf selbst produzierten Kreatinin Saccharose Agar (CREA).

Dieses Medium findet in der Routine-Analytik von Innenraum-relevanten Schimmelpilzen keine Verwendung. In Ringversuchen dient es als ein weiterer Merkmalsgeber zur Artbestimmung von Schimmelpilzen. CREA Platten sind dunkel lila gefärbt. Um die Nährstoffaufnahme zu verbessern, können manche Schimmelpilz-Arten gezielt das umgebende Nährmedium ansäuern, wodurch sich die CREA Platten gelb färben. Aufgrund des erhöhten osmotischen Druckes und der variierenden pH-Werte wachsen Schimmelpilze auf CREA Platten häufig langsamer.

Talaromyces islandicus auf selbst produzierten Czapek Yeast Extract Agar (CYA)

Talaromyces islandicus auf selbst produzierten Czapek Yeast Extract Agar (CYA)

Mit CYA ist ein weiteres Medium gezeigt, welches in der Routine-Analytik von Innenraum-relevanten Schimmelpilzen normalerweise keine Verwendung findet. In diesem Fall ist Natriumnitrat die einzige Stickstoffquelle und Saccharose die einzige Zuckerquelle. Diese Kombination soll laut Literatur das Wachstum von hitzeresistenten (thermophilen) Schimmelpilzen begünstigen. Zudem werden auf CYA häufiger Chlamydosporen ausgebildet.

REM Aufnahme mit Gold besputtert bei einer 4192-fachen Vergrößerung

REM Aufnahme mit Gold besputtert bei einer 4192-fachen Vergrößerung

Rasterelektronen mikroskopische Aufnahme von Talaromyces islandicus mit Gold besputtert bei einer 4192-fachen Vergrößerung. Sowohl der Stiel des Sporenträgers als auch die Sporen sind glatt und zeigen keine erkennbare Ornamentation aus. Bei den Dellen und Verformungen der Sporenträger und Sporen handelt es sich um Präparationsartefakte durch das gebildete Vakuum. Die Gattung Talaromyces bildet die Sporen auf Phialiden, welche wiederrum auf sogenannten Metulae sitzen. Diese Metulae bilden Zwischenstücke zwischen Sporenträger und Phialiden. Charakteristischerweise ist das Längenverhältnis von Metulae zu Phialide innerhalb der Gattung Talaromyces 1:1.

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