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Syncephalastrum racemosum (F. Cohn ex Schroeter 1886)
28.10.2022

Schimmelpilz des Monats Oktober

Syncephalastrum racemosum (F. Cohn ex Schroeter 1886)

Die Schimmelpilzart Syncephalastrum racemosum zählt aufgrund seiner Verbreitung in tropischen oder subtropischen Regionen, nicht unbedingt zu den typischen Innenraum-Schimmelpilzen in Deutschland (Compendium of soil fungi Sec. Ed. 2007). Allerdings kommt diese Art häufig auf verdorbenen Lebensmitteln vor und wird im Zuge von globalen Lebensmitteltransportketten, auch in gemäßigte Klimazonen eingebracht. Die Fähigkeit, unter anaeroben Bedingungen vitale Sporen zu erhalten, ermöglicht auch eine Verbreitung über vakuumierte und getrocknete Lebensmittel.

Bild links:
Syncephalastrum racemosum aus Reinkultur. Sieben Tage inkubiert bei 25 °C auf MEA-Agar. Die kreisrunde Kolonie zeichnet sich durch einen hellen äußeren Rand ab, der ein dunkles Zentrum umgibt. Der dunkelgraue Bereich ergibt sich mit zunehmendem Alter der Kolonie und der damit verbundenen Produktion von Sporenträgern. Aufgrund der vergleichsweise hohen Wachstumsgeschwindigkeit ist der maximale Koloniedurchmesser von 9 cm bereits innerhalb der 7 tägigen Inkubation erreicht. Kolonien dieser Größe führen zu einer verminderten Auswertbarkeit von Schimmelpilzproben, da andere Schimmelpilze verdeckt werden und somit morphologisch nicht identifizierbar sind.

Bild rechts:
Syncephalastrum racemosum aus Reinkultur. Sieben Tage inkubiert bei 25 °C auf DG18-Agar. Auf dem Bild sind drei nebeneinander liegende Kolonie zu sehen. Jeweils mit dunklerem Zentrum und hellen sterilen Rand. Im direkten Vergleich zum Koloniewachstum auf dem MEA-Agar, fällt die geringere Koloniegröße auf. Das im DG18-Agar enthaltene Glyzerin sorgt bei dieser Art für gehemmtes Wachstum, wodurch die Konkurrenzfähigkeit gegenüber anderen Arten sinkt.

Im natürlichen Umfeld kommt Syncephalastrum racemosum in Boden, Streu oder Dungproben vor und zählt damit zu den Destruenten. Unter Laborbedingungen wurden allerdings auch mycoparasitäre Eigenschaften festgestellt (Compendium of soil fungi Sec. Ed. 2007). Anders als vergleichbare Zygomyceten kann Syncephalastrum racemosum auch bei vergleichsweise geringer Wasserverfügbarkeit wachsen. Mit einem beschriebenen aW-Wert von 0,84 zählt diese Art zu den xerophilen Schimmelpilzen, die durchaus auf eine erhöhte Feuchtigkeit hinweisen können (Food and Indoor Fungi Sec. Ed. 2019).

Trotz der Fähigkeit bei Temperaturen um 40°C zu wachsen, sind keine humanpathogenen Eigenschaften von Syncephalastrum racemosum bekannt (Atlas of clinical fungi 4th ed.). Gemäß TRBA 460 ist diese Art in der biologischen Risikogruppe 1 einzustufen (Risiko von Erkrankungen bei Menschen gilt als unwahrscheinlich).

Lichtmikroskopische Aufnahme zweier Sporangienträger

Lichtmikroskopische Aufnahme zweier Sporangienträger

An einem Hauptsporenträger können dabei mehrere kleinere Sporenträger seitlich abzweigen. Das Myzel und die Sporenträger sind selten bis gar nicht septiert. Die zentralen Vesikel sind in der Kolonie braun bis dunkle grau gefärbt. Die bläuliche Erscheinung im Bild ist ein Artefakt durch die Präparation mit Baumwollblau. Auf den Vesikeln stehen kreisrund die sogenannten Merosporangien in denen Merosporen gebildet werden. Bei jungen Merosporangien werden die Merosporen von einer gemeinsamen Hülle umgeben, die sich später auflöst und dann eine Freisetzung einzelner Sporen ermöglicht. Merosporen sind je nach Alter rund bis oval.

1193-facher Vergrößerung unter dem REM

1193-facher Vergrößerung unter dem REM

Sporangienträger von Syncephalastrum racemosum bei 1193-facher Vergrößerung unter dem Raster-Elektronen Mikroskop (REM) mit Gold unter Vakuum besputtert. Zum Teil sind deutlich die einzelnen Merosporen zu erkennen, bei denen sich die Hülle bereits aufgelöst hat. Jüngere Sporangienträger besitzen noch keine Mesosporen, weshalb die Hülle der Mesosporangien durch das Vakuum eingedellt wird. Die Oberfläche der Sporenträger ist glatt. Alle Strukturen sind leicht eingedellt. Hierbei handelt es sich um Artefakt der Vakuumpräparation und des besputterns.

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