Wissen, was drin ist:
Schimmelpilz Penicillium griseofulvum
17.8.2022

Schimmelpilz des Monats August

Stachybotrys chartarum ((Ehrenberg) S. Hughes 1958)

Die Schimmelpilzart Stachybotrys chartarum wurde bereits 1818 (damals noch unter dem Namen Stilbospora chartarum) beschrieben. Im Jahr 1958 erfolgte dann die bis heute gültige Zuordnung in die Gattung Stachybotrys, welche sowohl durch morphologische, als auch molekulare Daten gestützt ist (Quelle: Mycobank.org; Stand 29.07.2022).

Bild links:
Stachybotrys chartarum aus Reinkultur. Sieben Tage inkubiert bei 25 °C auf MEA-Agar. Die kreisrunden Kolonien bilden häufig Luftmyzel aus, welches leicht „elektrisiert“ wirkt. Dieser Effekt entsteht durch eine Bündelung einzelner Myzelstränge. Diese Bündel werden artübergreifend als Synnemata bezeichnet. Im Fall von Stachybotrys chartarum fransen die Synnemata am oberen Ende in zahlreichen Seitenästen aus, wodurch eine Feder-ähnliche Struktur entsteht. Die Konidiosporen werden von dem Luftmyzel überdeckt und sind als dunkelbraune bis schwarze Basis im Zentrum der Kolonien zu erkennen.

Bild rechts:
Stachybotrys chartarum aus Reinkultur. Sieben Tage inkubiert bei 25 °C auf DG18-Agar. Auf DG18-Agar ist ein stark gehemmtes Wachstum von Stachybotrys chartarum erkennbar, da die Kolonien bei gleicher Inkubationszeit erheblich kleiner sind (im direkten Vergleich zu links). Zudem bleiben die Kolonien häufig steril, was eine morphologische Identifikation unmöglich macht. Damit stellt Stachybotrys chartarum ein Beispiel dar, warum bei der Untersuchung von kultivierbaren Schimmelpilzen, nach DIN ISO 16000-18:2012-01, immer zwei unterschiedliche Nährmedien an einer Probenahmestelle zu beproben sind.

Bei der Analytik von innenraum-relevanten Schimmelpilzen spielte die Art Stachybotrys chartarum lange Zeit eine untergeordnete Rolle. Da die Art verhältnismäßig langsam wächst, ist sie in kultivierenden Raumluftmessungen häufig stark unterrepräsentiert, weil sie von schnell wachsenden Gattungen (bspw. Aspergillus und Penicillium) verdrängt wird. Erst mit Einführung der Analytik der Gesamtsporenzahl in der Raumluft (Partikelspuren gemäß DIN ISO 16000:20 oder WTA Merkblatt 4-12) gewannen die leicht zu erkennenden und für Feuchtigkeitsschäden typischen, dunkel gestachelten Sporen an immenser Aufmerksamkeit.

Mit einem aW-Wert von 0,94 gehört die Schimmelpilzart Stachybotrys chartarum heute zu den anerkannten Feuchtigkeitsindikatoren im Innenraum, die in aller Regel nur bei starker Durchfeuchtung des Materials auftreten (Schimmelleitfaden vom Umweltbundesamt). Ein Befall durch Stachybotrys chartarum ist häufig an dunklen und Zugluft armen stellen zu finden (hinter großen Schränken oder auf der Rückseite von Gipskartonwänden) (Food and Indoor Fungi Sec. Ed.).

Stachybotrys chartarum ist jedoch nicht nur wegen seines hohen Wasseranspruchs bekannt, sondern galt lange Zeit, aufgrund seiner mitunter starken Mykotoxinenproduktion, als „gefährlicher“ Schimmelpilz in Innenräumen. Nach neueren Erkenntnissen ist Stachybotrys chartarum jedoch in der biologischen Risikogruppe 1 eingestuft, weswegen von keinem erhöhten Infektionsrisiko für Menschen auszugehen ist (TRBA 460). Ein Eintrag im Atlas of clinical fungi (4. Edition) fehlt ebenfalls. Dennoch sind die Mykotoxine auf belasteten Materialien nicht zu unterschätzen und eine Exposition sollte möglichst vermieden werden. Interessant an den Mykotoxinen ist, dass es vier hauptsächlich produzierte Gruppen gibt, die sich gleichmäßig auf zwei Chemotypen aufteilen. Stachybotrys chartarum Chemotyp S produziert Satratoxine und Roridine, während der Chemotyp A Atranone und Trichodermine produziert (Food and Indoor Fungi Sec. Ed.).

100-fache Vergrößerung unter dem Lichtmikroskop

100-fache Vergrößerung unter dem Lichtmikroskop

Übersicht von Myzelgeflecht samt Sporenträger und Sporencluster von Stachybotrys chartarum bei 100-facher Vergrößerung. Die Sporen von Stachybotrys chartarum sind dunkelbraun bis schwarz, ellipsoid und stark gestachelt. Die Sporen werden in Clustern auf keulenförmigen Phialiden gebildet, welche typischerweise in Gruppen von vier bis zehn am Ende eines unverzweigten Sporenträgers stehen. Die Sporencluster können dabei von einem kleinen Tröpfchen überzogen sein. Dieses verklebt die Einzelsporen und die Sporenträger, wodurch die „Anemochorie“ (Luftverbreitung) beeinflusst wird.

7120-facher Vergrößerung unter dem REM

7120-facher Vergrößerung unter dem REM

Sporenträger und Sporen von Stachybotrys chartarum bei 7120-facher Vergrößerung unter dem Raster-Elektronen Mikroskop (REM) mit Gold unter Vakuum besputtert. Die Sporenträger weisen insbesondere an der Spitze zu den Phialiden eine sehr raue Oberfläche auf (warzige Pocken im REM-Bild). Sowohl die ellipsoiden Sporen (links oben im Bild), als auch die Sporenträger (rechts unten im Bild), sind durch die Präparation eingefallen und eingedellt. Dies ist bedingt durch die Präparation für die REM Aufnahmen.

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